Heute fand ich in meinem Briefkasten als Höhepunkt des Trierer OB-Wahlkampfes den Werbeprospekt der CDU und des Kandidaten Holkenbrink. In Verbindung mit den Bildern erinnert mich der Text eher an eine “daily-soap” aus dem Vorabendprogramm des Fernsehens. Ich meine aber auch eine Ideologie der “Adenauer-Ära” zu erkennen. Platte Argumente und Aussagen, die in unserer differenzierten heutigen Welt keinen Platz mehr haben. Es soll wohl auch die “heile Familienwelt” in diesem Prospekt ganz stark transportiert werden. Zitat: “Er ist ein echter Familienmensch, und auf seine Familie ist er richtig stolz.” (…) ” Ehefrau Gabriele “managt” das Familienleben. Im Stadtteil Irsch wohnen die Holkenbrinks: Einfamilienhaus, etwas Garten, nette Nachbarn. (…).
Da lese ich heute in den Nachrichten passend die Ergebnisse der neuen Shell-Jugendstudie zur Haltung Jugendlicher gegenüber Ideologien:
“(…)Die Haltung der Jugendlichen zu gesellschaftlichen Aktivitäten entspricht dem pragmatischen Gestus dieser Generation. Es sind nicht (mehr) die ideologischen Konzepte oder auch mögliche gesellschaftliche Utopien, die prägend sind. Weitaus wichtiger ist die persönlich befriedigende Aktivität im eigenen Umfeld, jenseits von großen Entwürfen oder gesellschaftlichem »Getöse« im Sinne einer neuen Jugendbewegung. (…)”
(Quelle: www.shell-jugendstudie.de)
Sätze des CDU-Kandidaten während des TV-Forum, wie “Der Rubel muss rollen.” oder aber der weitere Bau von Straßen wie Moselaufstieg und Meulenwald Autobahn, die mit der Zerstörung eines großen Trierer Wald- und Naherholungsgebietes verbunden wäre, verkünden eine Politik der 50′er und 60′er Jahre. Andere große deutsche Städte, mit denen man sich vergleichen lassen muss, wenn man den Anschluss sucht im Bereich “Image” haben z.B. seit vielen Jahren erkannt, dass der weitere Bau von Parkhäusern in der Innenstadt und die damit verbundene Erhöhung des Individualverkehrs ein Verlust der Lebensqualiät beinhaltet, der widerum schließlich gravierende Auswirkungen auf die Besucherzahlen bei den Touristen hat sowie schließlich sogar auf die Ansiedlung bekannter/großer Unternehmen.
Aber zurück zur Jugendstudie im Zusammenhang mit dem OB-Wahlkampf. Kandidat Holkenbrink geht offenbar auch bei den Jugendlichen von einem veralteten gesellschaftlichen Bild aus, wenn er beim TV-Forum nur von den 1/4 Trierer Jugendlichen spricht, die in Trierer Vereinen sich engagieren. Die Realität auch nach der neuen Shell-Jugendstudie sieht aber anders aus…
Wo gehen die Jugendlichen denn hin, die nicht in Vereinen engagiert sind? Andere vergleichbare Städte haben hier schon lange reagiert und ein umfassendes Netz von offenen Jugendeinrichtungen in den Stadtteilen installiert.
Wie aber sollen Jugendliche bzw. junge Erwachsene mit solch einem Wahlprospekt, wie ich ihn von der CDU nun vorfand, zu einer OB-Wahl motiviert werden? Oder sollen damit eh nur die älteren Mitbürger angesprochen werden, die die Zeit unter Adenauer in Trier noch erlebt und gelebt haben? Oder aber passt am Ende der Prospekt doch genau auf “DIE Jugendlichen” in Trier im Sinne des Zitates aus der Shell-Jugendstudie und nur mich hat das Entsetzen über dieses völlig veraltete Bild der Gesellschaft bzw. die Visionen der Trierer CDU gepackt?
Geschrieben von augur am 21. September 2006 :: Rubrik:
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