Die Idee hinter “Weihnachten im Schuhkarton” klingt gut: Deutsche Kinder packen Geschenke, die in armen Ländern verteilt werden. Doch viele Kirchen in NRW distanzieren sich. Der Vorwurf: Die Aktion will nicht nur helfen, sondern auch missionieren.
So einfach kann man notleidenden Kindern Freude schenken: Ein Schuhkarton wird bunt beklebt und anschließend gefüllt. Mit Schokolade und Kuscheltieren, mit Mützen und Zahnbürsten, mit Heften und Stiften. Am Schluss wird noch ein Foto und ein Gruß beigelegt, und schließlich kann man auf dem Deckel ankreuzen, wer den Karton bekommen soll: Junge oder Mädchen. Kindergartenkind, Grundschüler oder Teenager. Die Kartons werden gesammelt, verschickt und an arme Kinder verteilt. Im Kosovo und der Mongolei, in Palästina und Weißrussland, in Bulgarien und Kasachstan, in Polen und Moldau.Durchgeführt wird “Weihnachten im Schuhkarton” vom Berliner Verein “Geschenke der Hoffnung” – und das mit zunehmendem Erfolg. Wurden 1990 zum Start der Aktion 3.000 Geschenk-Päckchen verteilt, gingen 2010 über eine halbe Million Schuhkartons allein aus Deutschland auf die Reise. Oft beteiligen sich ganze Betriebe, Schulklassen und Kindergärten, die basteln, sammeln und packen, während christliche Gemeinden vor Ort die Pakete verteilen. Dabei gibt es prominente Unterstützung: Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen macht sich genauso dafür stark wie Jürgen Rüttgers. “Die Aktion entspricht unserer wachsenden Verantwortung in einer globalisierten Welt auf vorbildliche Weise”, sagt der frühere NRW-Ministerpräsident.
Kirchen kritisieren Missionscharakter der Aktion
Doch nicht überall hält man “Weihnachten im Schuhkarton” für geglückt. So verschickte das Erzbistum Köln Anfang November 2011 eine E-Mail an die knapp 700 Kindergärten der Diözese, in der von der “fragwürdigen Aktion” abgeraten wird. Das Hilfswerk habe eine missionarische Zielsetzung und würde zusammen mit den Geschenkkartons nach Möglichkeit auch Missionsbroschüren verteilen und zu ausführlichen Missionskursen einladen. Auch die Evangelische Kirche im Rheinland betrachtet die Hilfsaktion skeptisch. Sprecher Jens Peter Iven geht es dabei um die “Verknüpfung von Entwicklungspolitik und Mission, wie sie ‘Weihnachten im Schuhkarton’ de facto praktiziert. Wir würden so sicher nicht agieren”, sagte er gegenüber WDR.de. Einen Rundbrief wird es von seiner Seite aus aber nicht geben. “Unsere Gemeinden wägen das Für und Wider selbst ab und entscheiden, ob sie mitmachen oder nicht.”Wird der kulturelle Kontext berücksichtigt?
Beim Verein “Geschenke der Hoffnung” kennt man die Vorwürfe schon länger – und kann sie nicht verstehen. “Bei einer Weihnachtsaktion liegt es doch auf der Hand, dass die verteilenden Gemeinden dort wo möglich und angebracht auch von ihrer Motivation sprechen: nämlich der Freude über die Geburt Jesu, die allen Menschen Hoffnung bringt”, sagte Geschäftsführer Bernd Gülker. Auch den Vorwurf, man versuche, Angehörige nichtchristlicher Religionen zu missionieren und verhalte sich unsensibel in islamischen Regionen, lässt die Organisation nicht gelten. “Sollten eine Weihnachtsfeier und das Angebot des Heftchens nicht in den religiösen oder kulturellen Kontext passen, wird davon abgesehen”, heißt es in den Richtlinien der Aktion. Die Geschenke gebe es auf alle Fälle.
Hilfsorganisation ist mit US-Fundamentalisten verbunden
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Trotz allem ist “Geschenke der Hoffnung” eine Organisation, die die “Förderung des christlichen Glaubens” als ganzheitlichen Bestandteil ihrer Arbeit begreift. Das Ziel ist die Mission, und die Heftchen, die – falls erwünscht – zusammen mit den Schuhkartons verteilt werden, werben sehr holzschnittartig für das Christentum: Die Menschen sind fehlbar und voller Sünde, nur wer sich Gott und Jesus zuwendet, kann auf Erlösung hoffen. Das passt zum fundamentalistischen Gedankengut, das die US-Organisation “Samaritan’s Purse” verbreitet, als deren Ableger “Geschenke der Hoffnung” gesehen werden kann. Deren Präsident Franklin Graham verunglimpfte mehrmals andere Religionen und bezeichnete den Islam als “böse und teuflische Religion”. Ein Sprecher von “Geschenke der Hoffnung” distanzierte sich zwar in einer Stellungnahme gegenüber WDR.de von Grahams Aussagen. Nichtsdestotrotz sind personelle und inhaltliche Verflechtungen mit “Samaritan’s Purse” vorhanden. So heißt es laut Vereinssatzung, dass der Verein seine “Zwecke in Verbindung mit der Arbeit von Samaritan’s Purse USA” verfolgt, die Mitglieder sollen “in Übereinstimmung mit der Glaubensaussage von Samaritan’s Purse stehen”. Außerdem muss mindestens eines der maximal 20 Vereinsmitglieder sowie ein Mitglied des Vorstandes durch Samaritan’s Purse vorgeschlagen werden.
Wie nachhaltig sind Weihnachtsgeschenke?
Doch nicht nur die religiöse Komponente der Aktion wird kritisch beäugt. Dem Spendenmodell fehle es an Nachhaltigkeit, heißt es von Seiten des Erzbistums Trier. Hilfreicher als einmalige Geschenke seien Bildungsmöglichkeiten oder eine bessere medizinische Versorgung. Zudem würde so nur die hiesige Wirtschaft gestärkt. Auch diesen Vorwurf will man bei “Geschenke der Hoffnung” nicht gelten lassen. Die beschenkten Kinder erinnerten sich zum Teil Jahre später noch an die Aktion – ” denn oftmals ist das Päckchen das einzige Weihnachtsgeschenk in ihrem Leben”, so Geschäftsführer Gülker. Zudem seien durch die Verteilung vor Ort viele nachhaltige Initiativen entstanden: “Die einmalige Geschenkverteilung dient somit oft als Katalysator langfristiger Projekte.” Die Kritik, die der Verein schon seit Jahren von kirchlicher Seite zu hören bekommt, hält er für vorgeschoben. “Es gibt offenbar eine Angst, dass Menschen nicht mehr an ihr Hilfswerk spenden, sondern stattdessen ein Päckchen packen.” Tatsächlich hat “Weihnachten im Schuhkarton” bei aller Kritik auch schon Nachahmer gefunden. So gingen im vergangenen Jahr 13.000 Päckchen mit Süßigkeiten, Schreibwaren und Hygieneartikel von Passau an arme Kinder in Rumänien. Organisiert hat die Aktion der katholische Wohlfahrtsverband Caritas.
Stand: 22.11.2011, 15.21 Uhr
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Sanierung Theater Heidelberg: 4,05 Millionen Kostensteigerung
Obwohl schon “optimiert”, sprich: gespart wurde, wo es nur ging, wird die Heidelberger Theatersanierung nun doch teurer als gedacht. 4,05 Millionen müssen draufgesattelt werden. Durch die Finanzierung über das Stiftungsmodell ist die Stadt allerdings “nur” mit 3,4 Millionen dabei. Die Zahlen werden den Gemeinderäten bei der nächsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am 30. November vorgelegt.
“Mit der Kostensteigerung in diesem Umfang hat keiner gerechnet”, kommentiert auf RNZ-Anfrage Hans-Peter Gegus, der Projektleiter der Theatersanierung. Denn erst während der Sanierungsarbeiten wurde das Ausmaß der Baufälligkeit des Städtischen Theaters klar. “Unsere größten Sorgenkinder sind die Gebäude Theaterstraße 6 und 4″, so Gegus. Bei den Rohbauarbeiten hätten sich immer neue “Abgründe” aufgetan. “Abgründe”, die vorher nicht zu erkennen gewesen seien. Denn erst mit dem Auszug des Theaters Ende Juli 2009 konnte in die Tiefe gegangen werden. Und da war nicht viel los.
Als das alte Glasfoyer abgerissen wurde, um eine Verbindung zum neuen Theatersaal zu schaffen, stellten die Verantwortlichen fest, dass das komplette Untergeschoss nicht tragfähig war. Unter der Bodenplatte war eine weiche Dämmung, die komplett herausgenommen werden musste. Schlimm sah es auch unter der “Alten Bühne” aus. Die Arbeiter staunten nicht schlecht, als sie dort gar keine Fundamente vorfanden. Auch mit dem Umstand, dass die Giebelseite komplett erneuert werden musste, hatten weder die Bauherrin GGH (Gesellschaft für Grund- und Hausbesitz) noch die Architekten gerechnet.
Dabei war es nicht mal “Pfusch” am Bau, den man den Bauherren von 1853 oder bei der Generalüberholung 1924 vorwerfen kann. Damals galten eben andere Anforderungen an einen Neubau. Als Beispiel nennt Gegus die mangelnde Tragfähigkeit der Ränge im Alten Saal. Damals galt eine Last von 50 Kilogramm pro Quadratmeter als durchaus ausreichend. Heute undenkbar. Deshalb mussten auch die Ränge “ertüchtigt” werden. Und so kam eben eins zum andern.
Etwa 3,2 Millionen der vorgesehenen 4,05 Millionen Euro Mehrkosten fließen in die alte Bausubstanz. Darin enthalten sind der Erhalt des historischen Zuschauerraums einschließlich der Wiederherstellung des historischen Foyers und eben “Erhalt und Ertüchtigung der denkmalgeschützten Altbausubstanz”.
Auch wenn der größte Teil der Zusatzkosten in die alten Gebäude fließt, so wird auch noch Geld für den Neubau gebraucht. So gab Mäzen Wolfgang Marguerre noch einmal eine Spende von fast drei Millionen Euro für die “Qualitätssicherung” – die Stadt wird sich laut der Vorlage für den Ausschuss hier mit einer halben Million Euro beteiligen. Dabei geht es um die Beleuchtung im neuen Saal und um den Orchester- und Chorproberaum. Hier waren ursprünglich zwei getrennte Räume geplant. Dank 6,50 Meter hoher Schiebewände wird es künftig möglich sein, dass Orchester und Chor parallel proben, sich aber auch zu einer großen Probe (auch mit Publikum) zusammenfinden können. Diese flexible Teilbarkeit des Raumes lag vor allem Generalmusikdirektor Cornelius Meister sehr am Herzen.
“Nachgebessert” werden muss auch bei der “Quartiersarbeit”. 250 000 Euro fallen zusätzlich an. Eine Großbaustelle erfordert besondere Maßnahmen. Das beginnt bei einem Büro für Bürgerfragen und -beschwerden und endet bei der Verkehrssicherheit für Schulkinder.
Ein Drama sind die anvisierten Mehrkosten für Kulturbürgermeister Joachim Gerner nicht. “Jetzt sehen wir doch, dass das Schmuckkästchen ein Schmuddelkästchen war. Wir sollten froh sein, dass es saniert und nachhaltig gesichert wird. Und dankbar, dass in all den Jahren nichts passiert ist”, sagt Gerner auf RNZ-Anfrage. Und eine Baukostensteigerung von unter zehn Prozent, die ist für Gerner durchaus verträglich. Was ihn wirklich freut, das ist, wenn ein Sponsor “ganz still und leise” noch einmal einen Millionenbetrag zur Verfügung stellt, damit die Qualität nachhaltig gesichert ist.
Auch Intendant Holger Schultze sieht die Kostensteigerung pragmatisch: “Hier ist das passiert, was bei Altbauten immer passiert”. Dass der Alte Saal erhalten bleibt, das sei “vollkommen richtig”, aber eben von den Kosten her unberechenbar. Alle Beteiligten – ob Stadt, Architekten oder auch der frühere Intendant Peter Spuhler – hätten auf die Kostenbremse gedrückt, und hier sei nichts Neues dazugekommen. Es gehe vielmehr ausschließlich um Erhaltsicherung.
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Stutgart21: Gegner kommen doch zur Stresstest-Präsentation
Die Sprecherin des Aktionsbündnisses, Brigitte Dahlbender, begründete die Entscheidung mit der großen Zahl von Zuschriften von Stuttgart-21-Gegnern. Viele hätten die Sorge geäußert, dass ansonsten nur die Bahn ihre Sicht der Dinge darstellen könne, sagte Dahlbender.+
www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2011-07/stuttgart-gegner-stresstest
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Ulricke Hermann von der TAZ macht klar um was geht:
Obwohl die Wirtschaft wächst, bekommen die Geringverdiener weniger: Unsere Gesellschaft spaltet sichDie Reallöhne sind seit 2000 um 2,5 Prozent gesunken – obwohl die Wirtschaft um rund 16,3 Prozent wuchs. Die größten Verlierer sind die Geringverdiener. Das ist alarmierend.



