FAIRtrade: Die Macht des Käufers im Supermarkt

Zitat von Ludger Heidbrink (Professor für Corporate Citizenship und Responsibility): “Der Konsument unterschätzt sich. Wer denkt, was kann ich als Einzelner schon bewirken, der irrt sich. Wenn eine Millionen Menschen Fairtrade-Kaffee kaufen, hat das einen großen Effekt für die Kaffee-Bauern in Afrika.[...] Es geht um Angebot und Nachfrage, und dabei hat der Kunde die Nachfrage-Macht.”

www.welt.de

Wirtschaftsethiker halten die Macht der Konsumenten für unterschätzt. Mit ihrer Produktauswahl können Verbraucher viel Einfluss geltend machen.
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Bald Fair-Trade-Mars?

Es bewegt sich was auf dem Schokomarkt: Mars hat heute seine Zusammenarbeit mit Fairtrade bekannt gegeben! MALTESERS wird als erstes Mars Produkt ab nächstem Jahr das Fairtrade-Siegel tragen – leider erst mal nur in England und Irland.

Welchen Schokosnack würdest Du Dir Fairtrade-zertifiziert in Deutschland wünschen?

www.fairtrade-deutschland.de

Erstes Mars Produkt mit Fairtrade-Siegel angekündigt. Das bedeutet über 1 Mio. US-Dollar jährlich an Fairtrade-Prämien für Kleinbauern in Westafrika.
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Neue Hauptstadt des fairen Handels

Und wer ist die neue Hauptstadt im Fairen Handel? Bremen hat das Rennen gemacht! Herzlichen Glückwunsch in die Hansestadt!

Die weiteren Gewinner findest Du auf unserer Website:

www.fairtrade-deutschland.de

Die Hansestadt Bremen hat sich beim Wettbewerb “Hauptstadt des Fairen Handels 2011″ durchgesetzt. Der Preis wurde zum fünften Mal vergeben.
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Faire Fische und gerechtes Gemüse

Kritiker behaupten, dass Fairtrade die Produzenten vom guten Willen westlicher Konsumenten abhängig mache und geradezu verhindere, dass sie sich zu konkurrenzfähigen Weltmarktteilnehmern entwickeln. Wer bestimmt, was fair ist und wer gewinnt beim fairen Handel? Die Zeitfragen – wie immer als “Audio on Demand”: http://bit.ly/ooEbkx.

www.dradio.de

Ob Kaffee, Kleidung oder Spielzeug, fast alles kann man inzwischen auch “fair” kaufen. Fairtrade drängt derzeit aus der “Dritte-Welt-Laden-Nische” heraus in die Supermarktketten.

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Kindersklaven für Schokohasen

WDR (TV-Bild)

Tausende Kinder müssen in Westafrika auf Kakaoplantagen arbeiten – viele von ihnen sind Sklaven. Sie schuften auch für unsere Schokolade. Seit Jahren versprechen die Hersteller Besserung.

Hasen, Eier, Lämmer – hell und dunkel, gefüllt oder nicht gefüllt, in allen Farben und Formen. Schokolade ist ein Riesengeschäft. Jetzt vor Ostern besonders. Aber auch, wenn nicht gerade Ostern oder Weihnachten anstehen, machen die Hersteller mir ihren Leckereien Millionen. Pro Jahr nascht jeder Deutsche im Schnitt fast zehn Kilogramm Schokolade. Allein Kraft, Hersteller der deutschen Lieblingsschokolade Milka, hat 2008 mit Schokolade und Süßwaren fast eine halbe Milliarde Euro Umsatz gemacht und produziert täglich mehr als zwei Millionen Tafeln. Auch andere Schokogiganten produzieren in großem Stil bei uns. Deutschland ist eines der größten Produzentenländer weltweit.

Doch bevor unsere Lieblingstafeln, Pralinen und Co. im Regal landen, müssen andere hart arbeiten. Schokolade entsteht aus Kakao. Der wächst vor allem in der Elfenbeinküste. Das westafrikanische Land ist die absolute Nummer eins in Sachen Rohkakao. Rund ein Drittel der Welternte kommt von dort, Deutschland bezieht sogar die Hälfte seines Rohkakaos aus der Elfenbeinküste. Für viele Einwohner der Elfenbeinküste (Ivorer) ist der Kakaoanbau das Einzige, womit sie ihren Lebensunterhalt verdienen können. Fast jeder Vierte lebt von Kakao, die meisten bewirtschaften kleine Plantagen.

Einkommen reicht kaum zum Leben

Auch Victor Kaboré. Er ist einer der Millionen Kleinbauern. Jeden Tag schuftet er mit seiner Großfamilie auf seiner Plantage. Er verkauft seinen Kakao an Zwischenhändler. Wann sie kommen, weiß er nicht. Wenn sie kommen, muss er den Preis nehmen, den sie bieten. Zum Leben reicht es kaum. „Wir wissen nicht, wie wir durchkommen sollen“, sagt er. Deshalb müssen auch Victors Kinder auf der Plantage ran. Das spart Geld für Mitarbeiter.

Auch bei der Arbeit mit Machete müssen die Kinder mit anfassen.

WDR (TV-Bild)

Kakaoernte ist ein Knochenjob – für die Kinder ist er besonders hart. Sie müssen die reifen Schoten von der Plantage schleppen. Jeden Tag, monatelang. „Viele Kinder, die sehr viele Stunden in der Woche arbeiten, haben schon von Kind an Rückenschäden“, sagt Friedel Hütz-Adams vom Forschungsinstitut Südwind. Er hat eine Studie über die „dunklen Seiten der Schokolade“ erstellt und kennt die Probleme. Nach dem Ernten werden die Kakaobohnen mit schweren und scharfen Macheten aus den Schoten gelöst. Auch da müssen die Kinder mitmachen. Oft verletzen sie sich.

Aber die körperlichen Schäden sind nur ein Teil des Problems, sagt Hütz-Adams: „Bei vielen kommt dazu, dass sie nie eine Perspektive haben, aus ihrer Armut herauszukommen, weil sie keine Bildung haben.“ Die meisten von Victors Kindern haben nie eine Schule besucht, weil es sich die Familie nicht leisten konnte. Sie werden wohl nie etwas anderes machen können als Kakao zu ernten.

Kindersklaven aus noch ärmeren Nachbarländern

Seit fünf Jahren hat Daniel seine Eltern nicht mehr gesehen.

WDR (TV-Bild)

Auf Victors Plantage arbeitet auch Daniel. Er ist erst 15. Trotzdem trägt er die schwersten Lasten und macht nie Pause. Er ist kein Kind der Familie wie die anderen. Daniel ist Kindersklave aus dem noch ärmeren Nachbarland Burkina Faso. Victor Kaboré hat ihn gekauft, als er zehn Jahre alt war. Günstigere Arbeitskraft gibt es nicht. Für die Plackerei auf der Plantage bekommt Daniel keinen Cent.

Dass Kinderarbeit und Kindersklaverei in Westafrika an der Tagesordnung sind, ist seit Jahren bekannt. Genaue Zahlen gibt es nicht, nur Schätzungen. Eine Studie aus dem Jahr 2002 spricht von 12.000 Kindersklaven in der Elfenbeinküste. Die Zahl der Kinder, die ihren Familien helfen müssen, geht in die Hunderttausende.

Siegel zur Eindämmung von Kinderarbeit

Die Schokoladenhersteller wissen das seit Jahren. Trotzdem beziehen sie weiterhin Schokolade aus Westafrika, vor allem aus der Elfenbeinküste. Anders wäre die Nachfrage der Verbraucher zu den heutigen Preisen allerdings auch kaum zu decken. 2001 haben sich die Hersteller verpflichtet, die „schlimmsten Formen der Kinderarbeit“ zu verhindern. Bis 2005 sollte ein Zertifizierungssystem aufgebaut werden, mit dem Kakao gekennzeichnet werden kann, der ohne die Ausbeutung von Kindern produziert wurde. Doch die Umsetzung ließ auf sich warten. Bis heute liegt der Anteil an zertifizierter Schokolade in Deutschland bei nicht einmal einem Prozent. Der Rest ist ohne Gewähr.

Wer garantiert kinderarbeitsfreie Schokolade kaufen möchte, kann sich in Deutschland zurzeit nur an einem Siegel orientieren: Fairtrade. Es zeigt an, dass die Bauern fair bezahlt werden. Sie bekommen für ihren Kakao einen Mindestpreis und Zusatzprämien, um etwa einen Trinkwasserbrunnen für ihr Dorf zu bauen. Fairtrade gibt es in einigen Supermärkten, in den meisten Biomärkten und garantiert in Weltläden.

Die Industrie verweist darauf, dass sie mit zwei anderen Siegeln zusammenarbeitet, die Kinderarbeit ausschließen: „Rainforest Alliance“ und „UTZ CERTIFIED“. Diese Siegel sind allerdings nicht auf Schokoladenpackungen zu sehen: Es gibt einfach nicht genug Kakao, der so zertifiziert ist. Derzeit ist kein einziges Schokoprodukt auf dem deutschen Markt, das ein Rainforest-Alliance- oder UTZ-Siegel trägt. Ein Branchensprecher führt zur Begründung an, dass eine Durchsetzung strengerer Regeln in der Elfenbeinküste wegen der politisch instabilen Situation sehr schwierig sei. Trotzdem gelobt die Branche erneut, dass sich etwas ändert. Mars hat sich zum Beispiel verpflichtet, bis 2020 alle seine Produkte mit dem UTZ-Siegel zu versehen.

Kritikern reicht das nicht. Sie werfen Rainforest Alliance und UTZ vor, der Industrie zu nahe zu stehen. Außerdem hätten sie weniger harte Kriterien als Fairtrade. So verzichten beide Siegel darauf, den Bauern Mindestpreise zu garantieren.

In einem sind sich aber alle einig: Jedes Siegel ist besser als keines. Daher begrüßen selbst Kritiker die Ankündigungen der Branche, die Mengen an zertifizierter Schokolade in den kommenden Jahren massiv zu steigern. Wenn es denn so kommt. Friedel Hütz-Adams hatte in den vergangenen Jahren den Eindruck, dass großen Worten nur kleine Taten gefolgt sind. Ihre Möglichkeiten zur Bekämpfung von Kinderarbeit und Kindersklaverei habe die Industrie jedenfalls nicht annähernd ausgeschöpft: „Es sind schon einige Millionen in solche Projekte geflossen“, sagt er. „Aber gleichzeitig sind Milliarden in die Werbung geflossen. Und das ist eine Relation, die dem Schokoladenliebhaber doch zu denken geben sollte.“

Autor:Jochen Taßler

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